RE: Was versteht ihr als Grundgehorsam?

#31 von Margie , 13.11.2010 00:15

Das Thema hat mich lange beschäftigt. Mir viel Frust gebracht. Heute denke ich, dass "Grundgehorsam" für uns wirklich nur die Grundlage bedeutet.
Heißt: Hund weiß, was die Begriffe bedeuten, die er bei uns kennen soll, die bei uns wichtig sind. Und er ist in der Lage sie im normalen Alltag zu befolgen. Also: Hunde kennen Komm, Sitz, Bleib und Cora Halt auch auf einige Entfernung, sie gehen nicht die Treppe hoch, sie hüpfen runter von der Couch wenn ich es möchte. Das alles reicht für den täglichen Umgang. Das ist die Grundlage für unser Zusammenleben.
Ich hätte noch sehr gern, dass sie mir immer alles freiwillig sofort geben, was sie in der Schnauze haben, aber das funktioniert leider höchstens mal bei Tom.
Und all das klappt leider nicht immer im Leben. Schon gar nicht wenn es "drauf ankommt", sprich beim Vorführeffekt vor anderen in kritischen Situationen. Aber damit kann ich leben. Auch wenn ich mir da ab und an von Herzen wünsche diese Hunde zu haben, die wie mit einer Fernbedienung funktionieren. Aber manchmal tun sie so und dann kann ich mich an dieser Erinnerung ewig laben.
Und manchmal stehe ich wie ein Idiot da und kann nicht mal mit dem Arm winken, weil Tom beschlossen hat, mich zu ignorieren und gaaanz woanders hin zu sehen. Und ich sehe verzweifelt zwei Reiter nahen...


das von Margit mit den Tupfentieren

 
Margie
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RE: Was versteht ihr als Grundgehorsam?

#32 von Pogi , 14.11.2010 00:55

Ich hab jetzt nicht Alles gelesen, das würde zu lange dauern. Aber ich fürchte, mir gehts wie Sabine mit Laika. Pogi ist eigentlich ein lieber Hund, und für unsere Wohnlage und für den Stand der Erziehung der in dieser Straße wohnenden anderen Hunde bin ich auch recht zufrieden, außer, dass er immer noch zieht.

Aber das was Eure Hunde beherrschen , beherrscht er noch lange nicht. Ich habe das Gefühl, dass es wieder sitzt, dass er von sich aus keinen Fuß vom Bürgersteig auf die Straße setzt, das ist mir ungeheuer wichtig.

Ansonsten kann er Folgendes: Er kommt mehr oder minder schnell von der Weide zurück, wenn ich ihn rufe. Er bleibt stehen, wenn ich rufe, damit ich ihn anleinen kann. Er kommt zu mir, wenn ich ihn rufe. Wenn allerdings ein unbekannter Hund auftaucht, und ich mal wieder gepennt habe, kommt ca. 1x im Jahr vor, dann ist er nicht mehr ansprechbar. Außer allerhöchstens Knurren tut er aber nichts außer Schnüffeln. Insofern ist es zwar ärgerlich, aber nicht tragisch. Ein locker gemeintes "Fuß" oder "bei mir", je nachdem, ob er angeleint ist oder nicht, kennt er zwar, reicht aber immer nur für wenige Schritte.

Zuhause üben wir derzeit "Körbchen". Das klappt, wenn er sofort ein Leckerli überreicht bekommt, dass er dann allerdings außerhalb des Körbchens frisst. "Bleib" funktioniert einige Sekunden bis wenige Minuten, kommt drauf an, wie dringlich der Ton war.

Aber: er löst alle Signale wieder auf, wenn er meint, es dauert jetzt zu lange.

Dafür hat er viel Verständnis für Rituale. Wenn ich ihn nach einem Regengang innen an der Haustür auf der Matte sitzen lasse, um mir erst Schuhe, Mütze und Mantel auszuziehen, bevor ich ihn abtrockne, bleibt er da. Er hebt auch die Füße an, wenn ich "Füßchen" sage und hält still, wenn ich ihn abrubbele. Ebenso stoisch lässt er alle 4 Wochen das Baden über sich ergehen.

Ich habe den Eindruck, dass er einen Haufen Dinge kann, aber mit seinem Terrier-Erbe immer selbst entscheiden will, ob er mir jetzt den Gefallen tun will oder ob er es gerade nicht für nötig hält. Manchmal kommt auch maltesischer "will-to-please" durch, aber das entscheidet eben er und nicht ich, das ist das Dumme.

Aber ehrlich gesagt, wenn er nicht mehr ziehen würde, wäre ich rundum zufrieden. Denn da wir praktisch ständig im Alltag trainieren, lernt er eigentlich immer noch dazu. Ich finde ihn jedenfalls lieb. Wenn ich an meine Verzweiflung im Januar 2009 denke, ist er der besterzogene Hund der Welt (ist er natürlich nicht).

Mir hat nie Jemand gesagt, was ein Familienhund eigentlich können sollte. Ich möchte, dass er Niemanden ängstigt oder stört und weder sich selbst noch mich in Gefahr bringt. Weniger bellen und wachhunden könnte er vielleicht noch, aber daran arbeiten wir. Er muss nicht jedes Mal kommentieren, wenn der Nachbar von gegenüber das Auto aus der Garage fährt. Und er muss auch nicht auf der Straße stehen bleiben wie angewachsen, wenn ein Auto ankommt und zuschauen, bis die Leute im Haus verschwunden sind. Und er muss nicht bellen, wenns beim Nachbarn klingelt oder Leute sich auf der Straße unterhalten. Und er könnte uns gerne fernsehen lassen, ohne Alles, was mehr als 5 Haare auf Kopf oder im Gesicht hat anzubellen.

Ich habe diesen Thread aufgemacht, weil ich dachte, nach dem Lesen wüsste ich, was Grundgehorsam ist (auch wenn Pogi ihn nicht beherrscht). Aber anscheinend gehen die Meinungen darüber doch auseinander, das tröstet mich.


Liebe Grüße von
Barbara mit Pogi

"Die Menschen haben diese Wahrheit vergessen", sagte der Fuchs. "Aber du darfst sie nicht vergessen. Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast..."
aus "Der Kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exupéry

 
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RE: Was versteht ihr als Grundgehorsam?

#33 von Toni , 14.11.2010 07:53

Ich habe ja mit Tobi und Balou zwei absolute Gegensätze. Tobi ist ja schwerer zu motivieren. Für ihn ist das Größte: MÄUSBUDDELN (deshalb laufe ich nicht so gerne auf Wiesen mit ihm), gleichgefolgt von Schnüffeln, Scannen, Markieren.....er ist halt ein kleiner Kontrollfreak.

Oft "stören" da meine Signale nur. Und Leckerchen abholen ist auch oft zu "zeitaufwendig" .
Er macht "Sitz" und "Platz" "Warte" (auch auf Entfernung), kennt ein ""Bleib", "Steh"", "Watch" "Side" (unser Fuß), führt diese auch ohne sehr grosse Ablenkung, gut aus. Die größte Ablenkung sind bei ihm andere Hunde. Da "verliere" ich ihn schon mal leicht bei Sichtung. Der Rückruf ist auch okay, allerdings nicht "reflexartig".
Wir haben auch ein "Supersignal" (Trillerpfeife), für den Fall aller Fälle.

Tobis Abbruchsignal ist "Jo" , was ich allerdings noch nicht so oft und jeder Situation benutzte.

Balou ist da ganz anders und super folgsam. Das Schöne dabei ist, er macht es unheimlich gerne, freut sich richtig, wenn ich ihn rufe und mich mit ihm beschäftige. Bei ihm der Rückruf oft reflexartig. Er beherrscht auch "Sitz" , "Platz" "Warte" auf Entfernung.
Mittlerweile klebt er oft über längere Strecken freiwillig an meiner Seite. Das wäre bei Tobi undenkbar, denn er muß ja die Gegend "sichern".

Es tut auch gut, mal solch einen Hund, wie Balou es ist, zu führen, der es einem leichter macht.

Was ich auch liebe und froh bin, das es beide kennen, ist das Handtarget. Das ist viel wert, um dem Hund in bestimmte Positionen oder Richtungen zu lotsen, ohne ihn groß zu manipulieren.

Für mich ist auch eine gute Impulskontrolle wichtig, gerade bei solchen "speziellen" Hunden.

Lg Nicole


Liebe Grüße,
Nicole mit Tobi und Balou

 
Toni
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RE: Was versteht ihr als Grundgehorsam?

#34 von pacolino , 14.11.2010 11:57

Mir ist es wichtig, daß ich Paco gut händeln kann. Er ist super abrufbar, muß er auch sein, sonst könnte ich ihm gewisse Freiheiten gar nicht geben.
Allerdings fängt es da bei mir an. Ich muß meinen Hund einschätzen können, wissen, wann es kritisch werden könnte. Dann rufe ich ihn zu mir, er wird angeleint und wir beide meistern zusammen die Situation. Dinge wie Sitz Platz und Bleib finde ich ebenfalls sehr wichtig, in unserem Fall allerdings in dem Zusammenhang, daß sie Paco Sicherheit geben. Bekommt er eines dieser Signale, geben sie ihm deutliche Sicherheit, daß merke ich immer wieder. Er ist regelrecht dankbar, daß er in für ihn beängstigenden Situationen eine "Aufgabe" hat.
Und ganz klar hier auch meine Meinung: Paco hat zwar einen guten Grundgehorsam, kommt wenn ich ihn rufe, macht Platz wenn es Futte gibt, gibt auf Signal den Dummy oder sein Spielzeug frei.
Aber leider gibt es immer noch Situationen, in denen er so in seinen Emotionen gefangen ist, daß ich schlecht zu ihm durchdringe.
Schlecht erzogen ist er dennoch nicht in meinen Augen. Ich muß nur noch lernen, ihn besser in solchen Situationen führen zu können.

LG Katja


LG Katja

Aber frei will ich sein und ganz mein,
und was ich gebe,
das soll mich nicht binden.

Bettina von Arnim

 
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RE: Was versteht ihr als Grundgehorsam?

#35 von Petra , 14.11.2010 19:10

Für mich ist bei meinen Hunden wichtig das die Bindung und das Vertrauen stimmen. In diesem Punkt bin ich auch eine absolute Perfektionistin.
Dann muss ich meinen Hund jederzeit stoppen können, egal was er vorhat. Der Hund muss vernünfig an der Leine laufen und offline jederzeit abrufbar sein. Und das "Bleib" und "Aus" müssen sein.
Das sind so die wichtigsten Dinge. Alles andere ist mehr oder weninger Beschäftigung. Natürlich ist ein Sitz oder Platz manchmal ganz nützlich, aber ich finde es nicht lebenswichtig.
Bei Andra bin ich da ziemlich nah dran, das liegt aber viel an Andra, der alles Spaß macht was man ihr beibringt und die es dann auch mit Begeisterung ausführt.
Bei Herman bin ich da vieleicht gerade in der Mitte angekommen, allerdings auch teilweise bewußt. Er hat schon früh eine starke Persönlichkeit gezeigt, die ich gerne fördern wollte, was mir bis jetzt auch ganz gut gelungen ist, wie ich finde.

Petra

  

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