RE: Der Hyperaktive Hund

#16 von Nina , 25.01.2011 23:31

Zitat von jacqui
Oder der Trieb wird nicht artgerecht anerkannt.



Aber ist Trieb denn immer "artgerecht" oder nicht inzwischen auch oft schon übertrieben angezüchtet? Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Schäfer einen Schäferhund gebrauchen kann, der bei bestimmten Reizen total austickt, so wie die Lotta. Das hat auch nichts mit Auslastung zu tun. Sie kann schon vollkommen erschöpft sein, wenn bestimmte Reize da sind, dann dreht sie ab. Auch nach einer mehrstündigen Wanderung dreht sie beim Anblick von Wasser völlig durch und ist kaum zu halten. Schlimmer sogar noch, eben weil sie sich durch die Müdigkeit noch wengier im Griff hat als ohnehin schon.

So ein Hund ist nicht arbeitsfähig. Und so war die Lotta, die ja als Arbeitshund gedacht war, ja auch nicht für den Job zu gebrauchen, einfach, weil ihre Arbeitsleistungen total unzuverlässig und massiv von ihrer momentanen Stimmung abhängig sind. Ab einer bestimmten Erregungslage, die sie leider unglaublich schnell erreicht, kann sie sich überhaupt nicht mehr konzentrieren. Mir wurde auch von mehreren Trainern gesagt, Lotta sei psychisch total instabil. Sie kann von jetzt auf gleich durchknallen. Man kann das natürlich Trieb nennen. Ich nenne es Dachschaden.

So geht es ihr übrigens auch noch mit einigen anderen Reizen, nicht ganz so schlimm, aber schon so heftig, dass sie sich schlicht und ergreifend nicht mehr unter Kontrolle hat. Sie kann dann einfach nicht anders.

Vielleicht werden Schäferhunde ja inzwischen mit Absicht so auf "Trieb" gezüchtet, damit sie halt als Sporthunde so schön schnell und zackig reagieren, aber für mich ist das nur noch eingezüchtete Hyperaktivität, die mit dem eigentlichen Sinn und Zweck, nämlich Reaktionsschnelligkeit, nichts mehr zu tun hat.


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RE: Der Hyperaktive Hund

#17 von jacqui , 26.01.2011 00:20

Mensch Nina ich glaube wir beide müssten uns mal treffen.
Ich glaube wir würden perfekt spieglen.

Zm Trieb wenn der Schäferhund müde ist kann ich als Schäferlaie nur sagen, dass der arbeitende Schäferhund auch nach 18.00Uhr tätig wird wenn es der Schäfer oder die Situation erfordert.
Auch wenn der Hund vor Müdigkeit fast umkippt.

Ich denke aber auch, dass die Trieb gerade bei den Schäfern im Hundesport in die bescheidensten Bahnen gelenkt werden.
Und ich muss leider zugeben, dass ich auch diesn Fehler machte.
Trieb triebiger Schutzhund....
Ich habe gebüst für meine Dummheit!
Oder besser meine Hündin hat gebüst.
Leider kenne ich eure Vergangenheit nicht.
Weiss aus Hundesporterfahrung aber nun, dass die Menschen die meisten Hunde in den unpassensten Situationen führen und wir nun auch damit leben müssen oder sollte.
Bitte verstehe mich nicht falsch.
Ich möchte dich und niemanden hier angreifen.
Ich spreche nur aus meiner Erfahrung.

Auch spreche ich die von den Menschen negative genetische Züchtung des Immer mehr währenden Triebmonsters nicht ab.
Aber Genetik und - und vor allem das und - die völlig murksche Handhabung der hündischen Genetik in Menschenhand ist das fatale...
Kann man meine Worte nachvoll ziehen?

jacqui

RE: Der Hyperaktive Hund

#18 von Nina , 26.01.2011 08:18

Ich will wirklich nicht sagen, dass alle Schäferhunde jetzt hyperaktiv und durchgeknallt sind. Klar sind viele einfach unausgelastet. Es sind Arbeitstiere und wollen beschäftigt werden.

Aber es gibt sie durchaus und gerade in den "triebstarken" Rassen nämlich dann, wenn es mit diesem Trieb übertrieben wurde.

Die Lotta war als Werkschutzhund gedacht und wurde auch vier Jahre lang so ausgebildet. Sie hat auch schon zusammen mit der alten Hündin gearbeitet, war also durchaus arbeitsmäßig beschäftigt. Aber sie war nie zuverlässig in ihren Leistungen, was ich ja selbst jetzt auch sehe. Sie kann unheimlich viel - aber nur, wenn die äußeren Umstände stimmen, wenn sie von der Erregungslage unten ist und wenn man ein ruhiges, möglichst reizarmes Umfeld schaffen kann. Bei Reizüberflutung (und das ist bei ihr schon der Fall, wenn andere Hunde noch nicht mal mit den Schultern zucken) ist sie nur noch hibbelig, springt herum, versucht zwar, zu machen, was ich von ihr will, kriegt es aber nicht hin und kann sich nicht länger als zwei Sekunden konzentrieren.

Unsere Trainerin meinte, Lotta würde praktisch zu viel aufnehmen und dass wir uns wohl nicht mal ansatzweise vorstellen könnten, was sie alles wahrnimmt. Und weil sie nun mal auf alles mit wildem Aktionismus reagiert, macht es das so schwierig. Daher sind die Tips, die ich bisher aus diesen Artikeln gelesen habe, genau das, was ich sowieso schon mache. Ruhe, Ruhe und noch mal Ruhe reinbringen. Gar nicht mehr Auslastung oder Beschäftigung oder viel Abwechslung, denn das dreht sie nur mehr und mehr auf.

Sondern eigentlich genau das Gegenteil von dem, was immer bei Arbeitshunden empfohlen wird, nämlich viel weniger Spannung, viel weniger Auslastung, stattdessen alles, was ruhig und gleichmäßig ist. Ein langer, entspannter, ereignisarmer Spaziergang ist bei Lotta besser als zu viel Kopfarbeit, so paradox das klingt.


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RE: Der Hyperaktive Hund

#19 von Stef , 26.01.2011 08:27

Corazón befand sich die ersten beiden Jahre nur an der Kette (auf Ibiza), sie kannte absolut NICHTS und ist mit dem was das Landleben zu bieten hat, schon absolut überfordert. Sie kann nichts unwichtiges ausblenden. Das fiel mir schon von Anfang an auf und meine erste Hundetrainerin vermutete auch Hyperaktivität (durch vermutlich Deprivation oder auch nur ein sehr reizarmes Leben).
Nachbarin hat ein neues Blümchen in den Garten gesetzt, sie sieht es. Ein Kellerfenster steht irgendwo auf, das normalerweise zu ist, sie sieht es. Es liegt ein Stein herum, der am Vortag nicht da war, sie sieht ihn. Inka geht sowas am Hintern vorbei, sie kann unwichtiges ausfiltern (wie wir Menschen das auch tun), Corazón kann das nicht. Sie sieht klitzekleine Veränderung der Umwelt sofort. Mit den ganzen Sinneseindrücken ist sie massiv überfordert und wird dadurch megahektisch.
Sie schubbelt sich auch ständig an Wänden, ich versuche diese Oyxtocin-Sucht mit kräftigem Massieren und kuscheln in Löffelchenhaltung zu "befriedigen". Im Haus kann sie langsam auch entspannen.

Mit Schäferhunden kenne ich mich nicht aus


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RE: Der Hyperaktive Hund

#20 von Nina , 26.01.2011 09:12

Zitat
Corazón kann das nicht. Sie sieht klitzekleine Veränderung der Umwelt sofort. Mit den ganzen Sinneseindrücken ist sie massiv überfordert und wird dadurch megahektisch.



Genauso ist es bei Lotta auch. Sobald irgned etwas auf der Straße liegt, was da nicht hingehört, ist das erstmal bedrohlich. Als nach dem letzten starken Wind Plastiktüten in den Hecken hingen (hingen, nicht flatterten oder raschelten), wurde jede einzelne mit Skepsis bedachtet. Letztens haben wir einen Einertanz um einen kaputten Regenschirm am Wegesrand gemacht. Ganz schlimm auch, wenn sich die Nachbarn neue Skulpturen in die Vorgärten stellen.

Ich mache das jetzt so, dass ich es nutze und erstmal selbst hingehe, das Objekt betrachte und für ungefährlich erachte und Lotta dann dazu hole, damit sie auch gucken kann. Beim nächsten mal geht sie dann auch vorbei und ich kann ihr so zeigen, dass ich todesmutig gefährliche Situationen meistere.


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RE: Der Hyperaktive Hund

#21 von Stef , 26.01.2011 09:27

Für gefährlich betrachtet Corazón das nicht mal! Aber es war vorher einfach nicht da und muß jetzt erst mal im Hirn archiviert werden, wenn's am nächsten Tag nicht mehr da ist, natürlich wieder
Gefährlich gibt's bei Corazón auch überhaupt nicht Angst (außer von Abdeckereilastern, die kennt sie aus der Tötungsstation) kennt sie auch nicht.


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RE: Der Hyperaktive Hund

#22 von Schabernakel , 26.01.2011 09:31

Zitat von Stef
(außer von Abdeckereilastern, die kennt sie aus der Tötungsstation)



was meinst du verbindet sie damit wirklich etwas? Kepri hat auch vor nix Angst, nur vor den Hydraulikgeräuschen eines LKW, meinst du wirklich sie kennen das aus der Tötung? Wenn ja, was hatten sie damit zu tun?

Kepri wird gleich wieder in den verhassten LKW einsteigen müssen, wir fahren die nächste Fuhre ins Haus...

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RE: Der Hyperaktive Hund

#23 von Nina , 26.01.2011 09:32

Bei Lotta ist alles erstmal gefährlich. Sie zuckt erst weg, dann schießt sie drauflos. Oder so war es früher. Jetzt zuckt sie weg, zuckt vor und entschließt sich dann, mir den Vortritt zu lassen. Aber kontrolliert muß es werden und wenn ich es nicht mache, dann macht sie es eben selbst und erstmal höflich anfragen, was das Dings denn da zu suchen hat, ist nicht ihre Art.


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RE: Der Hyperaktive Hund

#24 von Stef , 26.01.2011 09:49

Abdeckereilaster sind Corazón immer noch ein Graus! Normale LKW interessieren sie überhaupt nicht (wir wohnen an einer Bundesstraße, die brummen den ganzen Tag hier durch, stört sie nicht im geringsten). Hydraulikgeräusche stören sie auch nicht.
Aber wenn sie die Abdeckereilaster riecht, packt sie die pure Panik. An der Ostsee wurden die Fischabfälle der Fischbuden morgens immer abgeholt. Zweimal waren wir zu der Zeit daheim. Sie wollte erst unter Bett flüchten, war sie zu groß dafür, sie hat panisch was gesucht wo sie hin kann. Sie ist dann in das fensterlose Bad, da saß sie klappernd zu einem winzigen Bündel zusammengekauert in der DUSCHE!! In die kriege ich sie sont nicht freiwillig rein. Es hat jeweils geschlagene 2 Stunden gedauert bis ich sie da wieder raus hatte. Der LKW war auch schon Ewigkeiten wieder weg. Inka saß immer ganz interessiert da, wenn der "lecker-LKW" da war (und sie hat normalerweise Schiß vor LKW, aber der roch ja so lecker nach Tod und Verwesung). Ich bin dann immer mit Corazón weg, wenn die Zeit war, daß der Laster kam , weil ich ihr das einfach ersparen wollte.

In der Tötungsstation werden die getöteten Hunde auch irgendwie entsorgt. Verbrennen stinkt ja zum Himmel, also wird da auch ein LKW kommen und die Kadaver holen (wie auch hier beim Tierarzt). Ich weiß nicht was sie dort erlebt hat, aber es hält sich auch noch nach Jahren bei ihr.


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RE: Der Hyperaktive Hund

#25 von jacqui , 26.01.2011 17:54

Hi hi, sicherlich gibt es diese Hunde.
Ich denke nur, dass die Zahl der Wirklichen im Gegensatz zu der Zahl von ihren überfordenende HH verschwindent ist.
Genauso wie es bei den "Zappelphilippkindern" ist.

jacqui

RE: Der Hyperaktive Hund

#26 von Nina , 26.01.2011 20:58

Das stimmt natürlich. Aber die Lotta hat wirklich einen Hau.


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RE: Der Hyperaktive Hund

#27 von jacqui , 28.01.2011 19:12

Ich will den Hauhund kennenlernen.
Ich frage mich ernsthaft wer eher klein bei gibt dein Hauhund oder die Triebursel?
Oder sie hetzen sich zum Gott erbarmen.

jacqui

RE: Der Hyperaktive Hund

#28 von Nicole , 28.01.2011 22:43

Zitat von jacqui
Als Mensch der mit Kind und Hund arbietet sehe ich das alles sehr kritisch.
Viele Kinder sind einfach nur lebendig und können ihren Forscherdrang in Blankenese nicht ausleben...
Ich denke die meisten Hunde sind einfach nur gelangweilt.
Oder der Trieb wird nicht artgerecht anerkannt.




Du hast sicherlich recht damit, daß man oft für die eigene Unfähigkeit (sei es bei der Kindererziehung oder auch bei der Hundeerziehung) gerne eine Krankheit vorschiebt. Die Schilddrüsengeschichte ist ja auch so ähnlich.

Ich war früher auch der Meinung, das Kinder mit ADS das Ergebnis von schlechter Erziehung ist und ungezogene Hunde das Ergebnis von unfähigen Hundehaltern. Mitterweile glaub ich jedoch schon, daß man, egal wie gut man als Halter oder Mutter ist, bei manchen Kindern/Hunden nicht die "Schuld" für auffälliges Verhalten hat sondern tatsächlich oft eine Störung vorliegt.

Diese Störung zu erkennen muß ja kein Nachteil sein, im Gegenteil. Erkennt man ADS bei Kindern gibt es mittlerweile gute Wege damit umzugehen und man entwickelt auch eher ein Verständnis für manche Verhaltensweisen, die vorher evtl. Wut und Versagensängste bei den Eltern erzeugt haben. Auch die Lehrer entwickeln langsam Verständnis für diese "Krankheit" anstatt die Kinder von der Schule zu schmeißen.

Und änlich ist es bei Hunden. Leider gibt es noch viel zu viele Hundetrainer, die sich "ihre" Hunde von nem guten Züchter holen und tatsächlich glauben, daß sie der Brüller sind, da ihr Hund (natürlich sind das meist Hunde aus der Arbeitslinie) so unglaublich toll gehorcht. Die denken tatsächlich "alles nur eine Frage der Erziehung." Das dachte ich auch. Ich dachte, strengt man sich nur genug an, dann wird alles gut, egal mit welchem Hund. Durch Mio hab ich nun die andere Erfahrung machen dürfen. Er wird nie ein "normaler" Hund und daher finde ich es gut, daß es nun Trainer gibt, die sich mit diesem Thema beschäftigen.

Ich wäre übringens auch für eine Pflichteinführung von: Jeder, der als Hundetrainer oder noch besser "Hundepsyologe" aktiv werden möchte, sollte einen Hund mit Deprivationssyndrom zu sich nehmen. Ich bin mir sicher, ihr Denken würde sich verändern und die Labberbacken wären schnell weg.


Liebe Grüße
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RE: Der Hyperaktive Hund

#29 von Schnuffelnase , 29.01.2011 16:29

Also ich denke schon, dass es relativ viele dieser Hunde gibt. Es ist auch kein Wunder, wenn man sieht, unter welchen Umständen Welpen aufwachsen... da kann sich das Gehirn nicht normal entwickeln. Was ja nicht heißt, dass man den Hund dann nicht erziehen kann (was ich in der Tat ab und an bei Leuten erlebe, die z.b. ein ADHS-Kind haben und diesem eben dann nicht die- sehr benötigten- Strukturen geben, sondern eben alles einfach der Krankheit in die Schuhe schieben und fertig). Es ist aber sehr wichtig, um diese Zusammenhänge zu wissen, einfach auch, damit man beim Training nicht ungerecht wird.

Von Langeweile konnte bei uns keine Rede sein, sie hatte Auslastung ohne Ende und ein hohes Lernpensum. Trieb ist nicht dasselbe wie Hyperaktivität und Langeweile auch wieder nicht. Entstand das Problem aus Langeweile, wird es aufhören, wenn der Hund eine Zeitlang ausgelastet wird. Hat der Hund Trieb, wird er den ausleben wollen, aber dabei nicht nervös sein und keinen Stress kriegen. Zur Unterscheidung empfiehlt sich das Buch "Gute Arbeit" von Andres Hallgren, wo genau so etwas thematisiert wird, denn bei Arbeitshunden werden Hunde mit hohem Trieb, aber ohne Nervosität gesucht.

Wir haben ja sehr viel erreicht in unserem Training und Kira fällt meistens als Streber auf und nicht als der klassische Hibbelhund, da sie sich inzwischen sehr gut kontrollieren kann und auch relativ gut anpassungsfähig ist. Dennoch muss man bei ihr IMMER ein Auge auf Stress werfen. Einfach, weil da- vermutlich aufgrund der Umstände im Welpenalter- sie viel extremer reagiert als andere Hunde, eventuell läuft da im Hirnstoffwechsel tatsächlich irgendwas anders.

Sie kann sich inzwischen an den meisten Stellen sogar beherrschen, nicht direkt loszubrettern, aber zuweilen sieht man dann an Schaumbildung am Maul den Preis dafür... sehr hohen Stress nämlich, der dann auch später irgendwie kanalisiert wird und eben nicht einfach verschwindet.

Gerade auch dieses Schubbern ist bei ihr extrem, anfangs kamen wir im Wald nicht vorwärts, weil mein Hund ständig sich schubbern musste auf herumliegenden Ästen, dann wie von der Tarantel gestochen losdüsen, dann wieder schubbern... Auch jetzt noch ist schubbern ganz wichtig. An der Wand, auf Steinchen, im Gras, auf Stöckchen... und geknuddelt werden muss feste. Und ein Spiel ohne knuddeln und Massage ist nichts wert. Man merkt es, dass das schubbern zunimmt, wenn sie Stress hat. Und sie bekommt leicht Stress.

Im Moment ist unser Alltag wirklich geregelt, die Spaziergänge ohne besondere Ablenkungen, nix Spannendes. wir fahren seit Wochen ein Antistressprogramm, was ihr auch schon ganz gut hilft, aber: auch nach diesen Wochen kann der Stress ganz schnell wieder hoch fahren. Sicherlich haben eine falsche Ernährung (mit Mais) und zu wenig Ruhe das Ganze verstärkt, aber im Wesentlichen ist es etwas, was so auch zu Kira gehört und was sie immer ein bisschen haben wird. Man kann es in gute Bahnen lenken, aber wirklich weg wird es wohl nie sein.


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RE: Der Hyperaktive Hund

#30 von Nicole , 02.02.2011 19:28

Ich hab das Buch. Bin dann mal weg.


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